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Auf dem Amt

STORIESPosted by Ulrike 12 Dec, 2010 20:51
03. 03. 2009

Ich hatte schon immer eine natürliche Abneigung gegen Ämter, und seit dieser Woche weiß ich auch genau, warum. Ich hatte einen Termin beim Arbeitsamt. Immerhin musste ich nur 2 Wochen darauf warten, das hätte mich eigentlich schon in Hochstimmung versetzen müssen! Zu meinem Termin war ich dann sogar 2 Minuten zu früh dran, klopfte an die mir zugewiesene Tür und als ich ein „Jaaa?!" vernahm, trat ich ein und stand einer mit ihrem Handy beschäftigten Frau gegenüber, die mich freundlich darauf hinwies, dass ich zu früh sei und sie mich rufen würde. ‚Alles klar...', dachte ich und zog mich in die so genannte Wartezone zurück.

Als ich mich gerade setzen wollte, rief sie mich auf. Kaum an „Platz 3" angekommen, ging nun alles recht schnell. Die freundliche Dame nahm routiniert meine Daten auf, auch die, die angeblich noch gefehlt hatten und wofür ich eine Mahnung erhalten hatte ("..ja,ja, so was geht im Haus schon mal unter.."). Als sie meine Auslandsscheine sah, musste sie kurz telefonieren. Ich hörte nur „..ja, ...ok,... alles klar." Nachdem sie aufgelegt hatte, teilte sie mir emotionslos mit, dass diese Scheine leider nicht angerechnet werden könnten. Eigentlich hätte sie nur noch hinzufügen müssen: "Es tut mir leid, aber ein bisschen Schwund ist immer. Auf Wiedersehen und ein schönes Leben noch!" Aber nicht mit mir, ich war darauf vorbereitet! Ich konterte, dass diese Scheine sehr wohl anerkannt werden, wie ich aus erster Hand von einem Kollegen mit gleichem Hintergrund wusste. Um dem Ganzen mehr Gewicht zu verleihen, fügte ich hinzu, dass er diesbezüglich geklagt und den Prozess als Musterprozess gewonnen hatte.

Die Dame war verunsichert und griff erneut zum Telefonhörer: "..Ja, ich noch mal, gibt es für Fall XY eigentlich ein Formular...? Und wo finde ich das?.." Na bravo, da kannte sich ja jemand richtig gut aus! Zur Auflockerung fragte ich, ob ich denn meinen Termin beim Arbeitsvermittler, den ich in dieser Woche noch wahrnehmen sollte, hier gleich absagen könne, da ich schon einen neuen Job hätte. Nein, das ginge nicht, da müsse ich die Hotline anrufen? Wie bitte??? Wer jemals diese Hotline angerufen hat, weiß, dass man in dieser Zeit besser dreimal zum Amt und wieder zurück fährt incl. Wartezeit, bevor sich mal irgendjemand am anderen Ende um dich kümmert.

Ich wagte einen zweiten Anlauf: ob ich das denn nicht unten am Empfang erledigen könne (das ist dort, wo immer die langen Schlangen sind...). Ja, das könne ich versuchen. Uff - sie hatte die lästige Mehrarbeit erfolgreich von sich abgewälzt, aber immerhin hatte ich wieder Hoffnung, um die nervige Hotline drumherum zu kommen, wo ich doch nun schonmal da war. Inzwischen hatte sie ein Formular für mich ausgedruckt, was ich bitte ausfüllen und mit den entsprechenden Nachweisen zurückschicken sollte. Ich warf ein, dass ich keine weiteren Nachweise bräuchte und das Formular doch gleich vor Ort ausfüllen und ihr zurückgeben könne. - Nein, wenn dort irgendwo Nachweis steht, dann braucht man auch Nachweise und damit war der Termin für sie beendet. Sie wünschte mir noch alles Gute und als ich den Raum verließ, war ich zwar um keine Information, dafür aber um ein weiteres Formular reicher.

Leicht demotiviert trottete ich zum Empfang und stellte mich in eine der Menschenschlangen. Einen kurzen Moment überlegte ich, warum ich mir das eigentlich alles antat, aber da ich keine befriedigende Antwort fand, blieb ich einfach stehen. Als ich nach gefühlten 3 Stunden endlich an der Reihe war und mein Anliegen äußerte, bekam ich wieder die gleiche Antwort: "Da müssen Sie die Hotline anrufen..." Aber nun bin ich doch schon mal hier - gibt es denn keine andere Möglichkeit um Himmels Willen?! Doch, Sie könnten sich in den Warteraum setzen, müssten aber mit 2-3 Stunden Wartezeit rechnen. Wenn Sie das nicht möchten, können Sie alternativ auch ein Formular ausfüllen.

Ich entschied mich für das Formular und wähnte mich schon fast am Ziel, als ich plötzlich merkte, wie ich kaum noch etwas um mich herum wahrnahm und mich wie unter einer Käseglocke fühlte. Und noch während die Empfangsdame versuchte, das besagte Dokument auszudrucken, glitt ich auf der anderen Seite des Tresens hinab auf den rettenden Boden, wo mir mit einem Mal auch alle Formulare dieser Welt herzlich egal waren... Als ich irgendwann wieder zu mir kam, stand die Empfangsdame vor mir, brachte mir einen Stuhl und sagte streng, sie hätte den Rettungswagen gerufen, das wäre ihre Pflicht. Da wusste ich schlagartig wieder, wo ich war - immer noch auf dem Amt.

Fast hätte ich mich entschuldigt, dass ich durch mein kurzes Zwischentief ihre Arbeit unterbrochen hatte.. Als der Rettungswagen dann eintraf und die Sanitäter mich mitnehmen wollten, konnte ich es mir jedoch nicht verkneifen, die Dame noch einmal nach dem Formular zu fragen. Schließlich wollte ich nicht ganz kampflos aufgeben. Und da sagte sie plötzlich ganz selbstverständlich und milde lächelnd einen Satz, den man sonst auf Behörden wahrscheinlich niemals zu hören bekommt: „Ich erledige alles für Sie - Sie brauchen sich um nichts mehr zu kümmern."

Da man nun schlecht jedes Mal eine Ohnmacht simulieren kann, um ans Ziel zu kommen, habe ich einen guten Tip für Sie: Gehen Sie nie zum Amt, wenn es Ihnen gut geht oder Sie positiv gestimmt sind, sondern immer nur, wenn es Ihnen besonders schlecht geht. Im Idealfall fühlen Sie sich danach etwas besser...