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Nur Fliegen ist schöner..

STORIESPosted by Ulrike 24 Jan, 2011 07:37

24.01.2011

Bin mal wieder unterwegs - auf dem Flughafen. Ich mag Flughäfen. Ich komme mir dort immer irgendwie kosmopolitisch vor. Insbesondere dann, wenn ich für einen Kaffee und ein Mineralwasser schlappe 9 Euro zahlen darf…

Flughäfen sind aufregend und abenteuerlich. Hier beginnen und enden Reisen, entscheiden sich Menschenschicksale. Über Abschied und Wiedersehen, meine ich. Alles andere möchte ich jetzt lieber nicht in Betracht ziehen. Schlimm genug, dass ich neulich auf einem Langstreckenflug neben so ´nem Angstkandidaten sitzen musste. Vermutlich ein Sex Tourist, man hat ja so seine Bilder im Kopf. Zufällig ging der Flieger auch nach Bangkok.. Auf jeden Fall war dieser Tourist kein Anfänger, denn er war bereits zweckmäßig mit Adiletten und Jogginghose bekleidet. Letztere saß dann auch so bequem, dass sie ihm bei jedem Aufstehen ein paar Zentimeter tiefer rutschte und recht bald unter seiner Kimme saß. Und er stand sehr oft auf. Eigentlich erinnerte es schon fast an Stuhltanz, nur dass er immer wieder auf den gleichen Platz zurück fand. Und der befand sich leider neben mir! Zu seinem ersten Toilettengang nahm er eine Duty Free Tüte und eine leere Wasserflasche mit um dann, oh Wunder, nur mit der Wasserflasche zurückzukehren. Diese war dann allerdings voll - genauso voll wie er nach dem dritten Toilettengang, was wiederum dazu führte, dass er seinen Körper selbst im Sitzen nicht mehr unter Kontrolle hatte und entspannt immer weiter auf meinen Sitz und bald auf mich drauf rutschte. Da er, sobald er saß, auch sofort einschlief (eine Tatsache, die ich nicht ohne Neid zur Kenntnis nahm, denn an Schlaf war bei mir in keinster Weise mehr zu denken), rann ihm dabei noch ein Rinnsal feinsten Speichels aus dem Mundwinkel. Ich konnte gar nicht wegschauen und hatte die Kleenex Tücher schon in der Hand, als er erneut zur Toilette aufbrach (..ich versuche, das letzte Wort nicht mit Bildern zu assoziieren..) Mittlerweile war er so betrunken, dass er in die kleine asiatische Stewardess mit dem randvollen Getränketablett hinein torkelte. Diese erhörte daraufhin endlich meine Bitten und ich wurde wegen Unzumutbarkeit umgesetzt. Immerhin bekam ich einen Sitz am Notausgang mit viel Beinfreiheit, der normalerweise der Besatzung vorbehalten ist. Sollten die sich ruhig auch mal neben so nen Jogginghosen-Touristen setzen! Studie am lebenden Objekt nennt man das wohl.

Ich frage mich nur, wie solche Leute sich auf Großflughäfen zurechtfinden, was für Normalsterbliche ja schon eine Herausforderung darstellt und auch oft eine Frage des Ermessens ist. Wenn an einer Drehtür beispielsweise steht: ‚Bitte nicht drücken‘, und direkt darunter:‘ Im Notfall drücken‘, dann frage ich mich, wie definiert sich Notfall? Haben Sie sich darüber mal Gedanken gemacht? Für mich wäre in dem Moment der Flieger, der gegebenenfalls sonst ohne mich starten würde, ganz klar ein Notfall. Oder Hunger. Oder ein dicker Mensch, der mit seiner Leibesfülle oder seinen Koffern die Tür blockiert. Eigentlich gibt es auf Flughäfen ausschließlich Notsituationen, da erübrigt sich der erste Satz eigentlich. Und außerdem, wer hat schon die Zeit, sich die Aufschriften auf einer Drehtür durchzulesen, während er zum nächsten Gate hastet?!

Was ich auch nie kapiert habe, warum manche Menschen ausgerechnet kurz vor der Sicherheitsabsperrung nochmal so richtig Durst bekommen. Da werden Unmengen an Flüssigkeiten in Wohlstandskörper gekippt, als ginge der nächste Flieger in die Kalahari und an Bord wäre der Tomatensaft ausgegangen. Und wenn der Liter Flüssigkeit, der vor der Absperrung immerhin geschätzte 50 Cent billiger war, dann doch nicht mehr ganz ausgetrunken wird, stellt man die angefangene Flasche auch gerne mal AUF die bereitstehende Entsorgungstonne. Welcher soziale Hintergrund verbirgt sich dahinter? Ich meine, diese Tonne steht dort einzig und allein zu dem Zweck, dass man seine Flaschen IN dieser entsorgt. Ich kenne niemanden, der kurz vor dem X-Ray nochmal schnell zu so ner angefangenen, warmen Cola gegriffen hätte, dankbar, dass sein Vorgänger ihm einen Schluck übrig gelassen hat.

Ganz suspekt sind mir außerdem Chartermaschinen. Das sind die Flieger, wo bei der Landung alle Gäste ohne vorherige Absprache in frenetische Applaus ausbrechen, egal wie sanft oder unsanft der Pilot das Flugzeug zu Boden gebracht hat. Hat wohl etwas mit Erleichterung zu tun. Vielleicht muss man bei der Buchung solcher Pauschalreisen vorher ankreuzen, ob man unter Flugangst leidet. Und dann werden alle Passagiere mit Flugangst in einen einzigen Flieger gestopft. Das ist Psychologie - wenn dein Nachbar noch mehr zittert als du, fühlst du dich gleich besser. Und am Ende gibt’s den gemeinsamen großen Erleichterungsapplaus. Und weil der ganz sicher immer kommt, werden solche Maschinen aus Motivationsgründen meistens von Auszubildenden geflogen. Anders kann ich mir das nicht erklären. Ich habe auch noch nie erlebt, dass im Bus geklatscht wurde, weil der Fahrer so schön an die Haltestelle rangefahren ist. Oder in der U-Bahn, weil sie auch im Dunkeln die Station gefunden hat.

Ein weiteres Highlight auf Flughäfen sind die Durchsagen. Da beginnt oft das heitere Sprachenraten, und wenn man dann endlich erahnt hat, welche Sprache gemeint gewesen sein könnte, hat man meistens schon wieder vergessen, WAS eigentlich durchgesagt wurde. Also lieber rechtzeitig zum Gate und wenn’s dann zu lange dauert, kann man immer noch für 9 Euro Getränke kaufen. Es sei denn, man hat Glück und vor dem X-Ray stand noch ne angefangene Cola.

Muss los, ich glaube, sie haben mich aufgerufen..