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Die schönste Zeit des Jahres

STORIESPosted by Ulrike 12 Dec, 2010 22:48
12. 12. 2010

Wer sagt eigentlich, dass Weihnachten die schönste Zeit des Jahres ist? Ich fasse mal kurz zusammen, wie sich die besinnliche Vorweihnachtszeit in einer deutschen Großstadt darstellt:

Es ist eisig kalt, gestresste Menschen jagen dank Adventsshopping mittlerweile rund um die Uhr durch überfüllte Einkaufszentren auf der Suche nach Geschenken für Personen, die sie normalerweise gar nicht beschenken würden. Die Strassen sind voll gestopft wie die Mastgänse an den Feiertagen, und aus jeder Ecke dröhnt dir eine andere Weihnachtsmelodie ins Ohr. An den Feiertagen versucht man der Harmonie willen, möglichst die gesamte Verwandtschaft unter einen Hut zu bekommen, was mitunter zu stundenlangen Warteschlangen auf den Autobahnen und fast akrobatischen Stapeleinlagen bei der Bahn führt. Was da an Harmonie übrig bleibt, kann man sich denken. Das Einzige, was noch ansatzweise mit dem Fest der Liebe zu tun hat, sind hartnäckige Love-handles, die sich als unübersehbare Rettungsringe auch noch Monate später um die Hüften rollen…

Eine Flucht in die Sonne erscheint da wie ein Lichtblick am Horizont. Aber zählt das dann eigentlich noch als richtiges Weihnachtsfest? Dazu gehört doch Schnee, ein Tannenbaum und Lametta, Kekse, Glühwein und die Weihnachtsgans… Das meinen wir, weil wir es nicht anders kennen. Aber ich kann Ihnen versprechen, Weihnachten wird auf der ganzen Welt gefeiert, und so leicht flüchtet es sich nicht…

Wohin fliegt der Deutsche, wenn er wenig Zeit hat aber optimale Sonnenauslastung wünscht? Na klar, mit dem Ferienbomber auf die Kanaren. Im Idealfall gibt’s hier Sonne satt, aber keine Angst, der Weihnachtsmann lässt sich davon nicht abschrecken. Auch bei 25Grad Idealtemperatur läuft er in voller Ausrüstung mit Mütze und Stiefeln am Strand entlang. Der Arme hat ja nichts anderes zum anziehen, oder haben Sie vielleicht den Weihnachtsmann schon einmal in Badehose gesehen? Na also – Wiedererkennungswert garantiert! Die Ferienhotels werden bereits vor dem 1.Advent weihnachtlich dekoriert, um einen daran zu erinnern, dass man noch Geschenke kaufen muss. Eigentlich gar keine schlechte Marketingstrategie, denn Weihnachten kommt ja jedes Jahr wieder sehr überraschend..

Wer mehr Zeit hat und es sich leisten kann, fliegt am besten gleich weiter weg, zum Beispiel in die Karibik, um auf Nummer sicher zu gehen: kilometerlange Sandstrände, glasklares Wasser, Kokospalmen und mittendrin – der Weihnachtsmann! Man kann ihm nicht entfliehen, er ist allgegenwärtig!

Links: Obststand in Costa Rica – wo ist der Weihnachtsmann? Rechts: Reichlich geschmückter Tannenbaum in Cozumel / Mexico

Palmen spenden kühlenden Schatten, aber zur Weihnachtszeit darf man sich hier auch unter der reichlich behängten Nordmann-Tanne heimisch fühlen. Es lebe der Kitsch, das ist die Devise. Nicht zuletzt, damit sich die täglich zu Tausenden von Kreuzfahrtschiffen an- (und auf-) geschwemmten Amerikaner auch wie zu Hause fühlen. So ist das dann mit der Globalisierung. Der ist es schließlich zu verdanken, dass man niemals auf der Welt irgendetwas vermissen muss. Der Lieblings Coffee Mocha Latte Chocolate Flavour Venti To go einer bekannten amerikanischen Kaffeehauskette schmeckt in einem karibischen Touristenort eben genauso, wie am Berliner Hauptbahnhof. Wenn das mal keine Errungenschaft der neuen Zeit ist..

Wenn man den richtigen Stoff raucht, bekommt auch der Weihnachtsbaum etwas Weibliches… Weihnachtsfrau in Ochos Rios / Jamaica

Musikalisch wird man in der Karibik auf vielerlei Arten weihnachtlich gestimmt, und das meistens aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Während man bei der Reggae-Version von „Jingle Bells“ noch überlegt, wie das Lied eigentlich ohne Steel Drums klingt, dröhnen einem parallel dazu karibische Merengue-Klänge ins Ohr, aus denen sich nach längerem Hinhören „Rudolph the rednosed rendier“ herauskristallisiert. Wenn damit auch nicht unbedingt der Grundstein für einen neuen musikalischen Stilmix gelegt wird, so ist das doch allemal eine gute Alternative zum alljährlichen Kirchenchor.

Wenn Sie also an den Feiertagen noch nichts vorhaben, probieren Sie es doch einfach mal aus: Cuba Libre statt Glühwein, Truthahn statt Weihnachtsgans, Gemeinsamkeit statt Konsumwahn. Sie werden überrascht sein, dass sogar Ihr Geldbeutel noch etwas übrig hat. Und wenn Ihnen das zu viel Aufwand ist, dann ziehen Sie sich doch einfach mit nem guten Mojito in die Sauna zurück. Vergessen Sie aber nicht, vorher die Musikanlage auszuschalten…