NEWS & STORIES

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Neuigkeiten und Geschichten aus Ulrikes Welt finden Sie hier.

Weihnachten in Berlin

STORIESPosted by Ulrike 26 Dec, 2011 12:40

26.12.2012

Erster Weihnachtsfeiertag in der Berliner S-Bahn. Ein Paar ist unterwegs. Sie trägt Dinge in einer Plastiktüte, vermutlich Geschenke. Er ist einfach nur dabei. Sie schaut auf die Uhr, kriegt Panik: "Meine Güte, es ist ja schon viertel zwölf! Viertel zwölf, das muss man sich mal vorstellen! Wie kann es jetzt schon viertel zwölf sein? Da kann ich ja gleich Mittach machen. Ich fange gleich an zu kochen." Und zu ihrem Mann gewandt, ergänzt sie: "Das wird das Beste sein, nicht wahr? Ich habe zwar noch keinen Hunger, aber sonst schaffen wir das ja alles nicht. Dann wird das auch zu spät mit dem Spaziergang." Mittlerweile hat die S-Bahn angehalten, sie steigen beide aus. Es regnet in Strömen. Er läuft immer ca. einen halben Meter hinter ihr, vermutlich, um nicht antworten oder gar eine Entscheidung treffen zu müssen. Sie redet weiter: "Nein, wir machen das anders. Wir machen jetzt gleich den Spaziergang, und ich koche danach. Ja, das ist viel besser, stimmt's?" Der Mann nickt unmerkbar. Es regnet immer noch in Strömen. „Ja, das ist besser. Wir gehen erst spazieren, und dann koche ich. Wie sollen wir das sonst alles schaffen?!“ Sie erreichen den Straßenbahnsteig. Sie: "Nein! Die Bahn kommt erst in 14 Minuten! Das kann doch nicht wahr sein! Erst in 14 Minuten, das gibt's doch gar nicht! Dann schaffen wir das ja alles gar nicht! Tja, wir haben Feiertag, das kann doch aber trotzdem nicht sein." Da hakt er sich ein: "Nein, das kann nicht sein, das ist sicher ein Fehler in der Anzeige. Lass uns mal auf den Plan schauen." Wahrscheinlich hat er es jetzt mit der Angst bekommen, eventuell doch noch eine Entscheidung treffen zu müssen, ob der Spaziergang im Regen nun vor oder nach dem Essen stattfinden sollte. Und sie ärgert sich innerlich, dass sie sich an den Feiertagen wieder so viel vorgenommen hat. Nächstes Jahr streicht sie entweder den Spaziergang oder das Essen. Das nimmt sie sich in diesem Moment fest vor, denn sonst ist das ja alles gar nicht zu schaffen. So einen Stress tut sie sich nicht nochmal an. Glücklicherweise kommt in dem Moment die Straßenbahn und erlöst sie von ihrem Leid..

Ich wünsche Ihnen entspannte und harmonische Weihnachtstage!






Happy Shopping

STORIESPosted by Ulrike 20 Jul, 2011 18:17
20.07.2011

Wir leben in einer Konsumwelt. Das ist unbestritten. Ob man das befürwortet oder nicht, sei erstmal dahin gestellt. Fakt ist jedoch, dass jeder Mensch, ob Männlein oder Weiblein, immer mal wieder die Wirtschaft ankurbelt, indem er „shoppen“ geht. Da die Zeiten der Tauschgeschäfte längst vorbei sind, muss man zeitweilige Shoppingphasen sogar befürworten, denn schließlich kann man Geld weder essen noch anziehen. Auch sammeln macht nicht viel Sinn. Geld muss fließen, das ist auch energetisch besser.

„Geld stinkt nicht“, so sagt der Volksmund. Aber wenn es so wäre, würden vielleicht auch die Herren der Schöpfung mehr Spaß am ausgeben haben. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kenne nicht einen einzigen Mann, der erstens gerne shoppen geht – und damit meine ich wirklich etwas kaufen und nicht nur die Frau begleiten und Tüten tragen – und der zweitens, wie wir Frauen kurzentschlossen und ohne zu überlegen zuschlägt, wenn sich die Gelegenheit bietet. Männer müssen abwägen, vergleichen, drüber schlafen – und wenn sie sich nach vielen schlaflosen Nächten und Rennereien durch diverse Geschäfte endlich zum Kauf entschieden haben, ist das Produkt der Begierde entweder nicht mehr zu haben oder bereits aus der Mode. Und dann ärgern sie sich oder reden sich selbst ein, dass sie es ja eigentlich sowieso nicht brauchen. Deshalb kommen Männer eher zu Geld – aber sind sie auch die glücklicheren Menschen?

Shoppen macht glücklich. Das ist mittlerweile erwiesen. Nur warum, das hat man noch nicht herausgefunden. Vielleicht weil wir Frauen die unvergleichliche Gabe besitzen, uns wie Kinder über Dinge zu freuen, von denen uns bis dato noch nicht einmal klar war, dass es sie gibt, geschweige denn, dass wir sie gebrauchen könnten. Wir müssen nicht nach tollen Produkten suchen, die Dinge, die wir vermeintlich benötigen, finden uns! Und wenn wir uns mal ärgern, dann höchstens darüber, dass das neu erstandene Lieblingsstück im Laden nebenan noch günstiger zu haben war. Aber natürlich ist es nicht das Gleiche – unseres ist viel schöner, reden wir unserem schlechten Gewissen gut zu. Und bleiben happy.

Wir können uns sogar über Sachen freuen, die über kurz oder lang in der hintersten Ecke des Schrankes landen und von denen wir von vornherein schon wissen, dass wir sie nicht oft benutzen werden. Aber wir kaufen sie trotzdem. Weil wir es uns leisten können, oder auch nicht. Oder weil sie gerade da sind und uns anlachen, und weil man sie ja eventuell mal gebrauchen könnte. Oder weil man bei bei der besten Freundin gerade etwas Ähnliches gesehen hat. Oder weil man das Gefühl hat, damit attraktiver und begehrenswerter zu wirken. Oder weil uns endlich mal jemand zuhört. Oder weil sie einfach schön und wir gut drauf sind. Oder weil uns just bei ihrem Anblick einfällt, wie sehr man sich so etwas schon immer gewünscht hat. Oder weil sie perfekt zu dem anderen neuen Stück passen, was wir gerade gekauft haben. Oder weil der Verkäufer ein ziemlicher Stratege aber so wahnsinnig nett ist und uns obendrein an den letzten Urlaubsflirt erinnert. Da spielt dann auch der Preis keine Rolle mehr. So kauften sich schon manche Menschen in den Ruin.

Aber uns passiert das nicht. Wir haben alles unter Kontrolle. Bis zum nächsten Einkauf…



Urlaub auf Abwegen

STORIESPosted by Ulrike 11 Jul, 2011 16:11
11.07.2011

Hochsommerliche Hitze staut sich in den Pflastern der Stadt, die Klamotten kleben am Leib und man wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich in den wohlverdienten Urlaub aufzubrechen. Urlauber mit Frühbucherbonus freuen sich zum Teil schon seit Jahren auf diesen Moment. Ist er dann endlich da, kann er den über unendlich lange Zeit gesammelten eigenen Erwartungen oft gar nicht mehr gerecht werden. Der Urlaub wird zur Farce, Paare streiten sich, lernen neue Partner kennen, mit denen in ein paar Jahren das gleiche Spiel losgeht. Aber warum dieses ewige Jammern auf höchstem Niveau gerade in der schönsten Zeit des Jahres? Wie kann man dem entkommen? Mein Tipp: gehen Sie weg von Gewohnheiten, verlassen Sie den immer gleichen Urlaubsort und das seit Generationen lieb gewonnene Hotel mit dem netten Kellner, wo früher auch alles besser war. Versuchen Sie mal Urlaub auf andere Art, wagen Sie ein Abenteuer! Dazu müssen Sie nicht gleich ne Safari in Afrika buchen. Wer etwas erleben will, was er noch nie erlebt hat, muss Dinge tun, die er noch nie getan hat. Das geht auch mit dem eigenen Partner! Machen Sie einfach mal Urlaub auf engstem Raum, wie in der ersten Phase Ihrer Verliebtheit. Ich verspreche Ihnen, das ist Abenteuerurlaub in Perfektion! Ideal dafür ist beispielsweise eine Reise im Wohnmobil mit einfachster Ausstattung. Das ist wie Therapie! Hier geht es nicht darum, ob die Pooltücher, wie im Katalog beschrieben, tatsächlich täglich gewechselt werden oder ob ein oder zwei Gläser Wein zum Abendessen im Preis inbegriffen sind. Nein, hier geht es um die Basis: wer kocht und wer leert die chemische Toilette aus? Sie werden keine Zeit haben, sich mit überflüssigen Dingen auseinander zu setzen. Erholung pur!

Wer Auto fahren im Urlaub nicht so mag, dem empfehle ich einen Segeltörn - ebenfalls eine ideale Gelegenheit, Leute mal so richtig gut kennenzulernen! Ein Segelboot ist klein, hellhörig und bietet weder Gelegenheit für Maskerade, noch Rückzugsmöglichkeiten. Es sei denn, Sie springen direkt ins Meer… Um einen solchen Segeltrip zu planen, muss man kein ausgebildeter Skipper sein. Wer keine Segelerfahrung hat, bucht einfach einen einheimischen Skipper dazu, und meistens kennt dieser auch noch die schönsten Plätze und idyllischsten Buchten. Ein phantastisches Segelgebiet ist beispielsweise die Adria. Von Berlin aus in knapp 2 Stunden bequem zu erreichen, landen Sie direkt in der kroatischen Antwort auf die Karibik: kristallklares Wasser mit einem Farbspiel von dunkel- bis türkisblau, stets eine leichte Brise, die einen sanft umspielt, und Sonne satt, die vom strahlend blauen Himmel lacht. Was braucht man mehr? Es gibt kaum etwas Schöneres, als morgens mit der Sonne aufzuwachen und noch vor dem ersten Kaffee im kühlen Meer zu schwimmen. Noch dazu werden Sie unter diesen Bedingungen Ihrem Partner so nah sein, wie noch nie. Und wenn er Ihnen bei Seekrankheit noch die Haare aus dem Gesicht hält, dann liebt er Sie wirklich..

1. Kroatien - ein paradiesischer Traum. 2. Meine Patientin Gudrun hat doch tatsächlich den Skipper rumgekriegt und bekommt jetzt ein eigenes Boot. Na prost Mahlzeit...!

Frühlingsgefühle

STORIESPosted by Ulrike 21 Apr, 2011 00:03
20. 04. 2011

Frühling in Berlin. Die ersten Tage mit Temperaturen über 20 Grad und Sonne satt. Die Stadt dreht durch. Alles rennt aus den Häusern, drängt sich auf den Straßen und in den Cafés. Sonnenplätze sind rar und hart umkämpft. Wer keinen Balkon oder kein Café in der Nähe hat, stellt sich einfach einen Stuhl vor die Tür auf den Bürgersteig. Mitten an der Kreuzung. Hauptsache draußen. Das ist Berlin: geht nicht gibt’s nicht. Man wird kreativ. Die wenigen Grünflächen sind als solche kaum noch zu erkennen, zu viele Menschen drängen sich auf ihnen. Volksfestcharakter herrscht in der Stadt, auch ohne Fest. Der Mauerpark zieht Menschen aus der ganzen Welt an, nur laufen kann man nicht vor lauter Gedränge. Fast wie damals, auf ner Demo. Vielleicht ist es das, was die Leute in den Osten zieht. Authentizität nennt man das wohl. Oder Ostalgie.

Auch das riesige Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof verwandelt sich in eine einzige Grill-, Skate- und Radelfläche. Selbst ne Speaker`s Corner gibt es, wo jeder, der sich selbst gerne reden hört, mal was sagen darf. Und zu sagen hat ja irgendwie jeder was.

Ich frage mich: wo waren all diese Leute im Winter? Bei manchen sieht man es deutlich: Unmengen von jungen Müttern bevölkern die Parks. Da weiß man wenigstens, was die im Winter gemacht haben. Die waren fleißig und zeigen nun voller Stolz ihr Produkt.

Bei allen anderen setzt im Frühjahr eine andere Art der Schaffenskraft ein: es wird renoviert, gebaut und erneuert was das Zeug hält. Die Frühlingssonne scheint jedes Jahr aufs Neue ungeahnte Kräfte in den Menschen frei zu setzen, die dazu führen, alles bisher Gewesene als alt und nichtig zu erklären und jetzt aber mal richtig neu durchzustarten. Frühjahrsputz oder Feng Shui (übersetzt: „weg mit dem Mist, jetzt kommt was Neues“) lautet die Devise. Das führt nicht selten zur Trennung von über Jahre lieb gewonnenen Dingen – von Klamotten über Möbel bis hin zum Lebenspartner. Aber warum dieser blinde Aktionismus immer im Frühling? Was passiert da mit uns Menschen?

Gut, nach einem langen und kalten Winter ist es verständlich, dass man keine Lust mehr hat, ständig mehrere Kleidungsschichten übereinander zu ziehen und sich zu verhüllen. Aber ich bezweifle, dass jeder vor der Entblätterung genau hinschaut, was da unter seinen ganzen Klamotten eigentlich zum Vorschein kommt. Mal ehrlich – der Frühling ist doch die Jahreszeit, wo man generell am unvorteilhaftesten aussieht. Nach Monaten ohne Licht und Sonne ist der Begriff „vornehme Blässe“ noch nett ausgedrückt. Gepaart mit dem stets vorhandenen und hartnäckigen Winterspeck bringen die fröhlichen Sommerfarben meistens nur die anderen zum lachen. Das ist übrigens ein Grund, warum ich im Frühling immer schlechte Laune habe. So, nun ist es raus. Aber es ist doch wahr. So schön der Frühling in all seiner Blüte auch anzuschauen ist (Allergiker können sogar genau die Pflanzenart bestimmen, die gerade blüht), er bringt doch nur Probleme mit sich.

Erstes Problem: was zieht man an oder aus bzw. was kann man anderen Leuten überhaupt zumuten, sich anzuschauen? Zu den oben genannten Punkten kommt noch, dass man stets daran denken muss, sich die Beine zu rasieren, die Füße, ein über Monate vernachlässigter Teil unseres Körpers, zu pediküren, Sonnencreme aufzutragen, was mit zunehmendem Alter immer essentieller wird und außerdem immer eine Sonnenbrille für die Anonymität sowie eine Jacke für die kühlen Nächte dabei zu haben. Das ist im Winter einfacher: draußen – Jacke an, drinnen – Jacke aus. Fertig. Und wenn man mal zu viel gegessen hat, einfach einen langen Pullover drüber. Im Frühling musst du jedes Mal eine Schwangerschaft vortäuschen.

Zweites Problem: die Betriebsamkeit. Plötzlich werden alle lang gehegten guten Vorhaben in die Tat umgesetzt. Jeder joggt, skatet, radelt oder rennt sonst irgendwie durch die Gegend, nur um sich an frischer Luft sportlich zu betätigen und die vorgenommenen 10 Kilo vom Winter wieder abzuspecken. Manche kaufen sich eigens dafür sogar einen Hund. Für die Motivation. Denn wenn der muss, dann muss man auch - raus und rennen. Ich habe da aber gar keine Lust drauf. Und schon – zack – kriegt man ein schlechtes Gewissen. Denn schließlich machen das ja alle so.

Drittes Problem: wenn draußen die Sonne scheint, will ich draußen sein. Das liegt scheinbar in des Deutschen Natur, weil die Sonne ja so selten scheint. Hat man aber was zu tun, stellt sich sofort das schlechte Gewissen ein, und zwar immer! Gehst du deinem Gefühl nach und nach draußen, schreit das schlechte Gewissen: Du sollst arbeiten! Bleibst du drinnen und arbeitest brav, brüllt es: Geh raus bei dem schönen Wetter! Fazit: permanent schlechtes Gewissen. Da hab ich doch lieber trübes Wetter - kein schlechtes Gewissen und die Arbeit wird gemacht.

Schließlich gibt es ja auch noch die Wochenenden und Feiertage. Da könnte man dann ja mal ohne schlechtes Gewissen raus – denken sich alle anderen auch. Und so verbringt man die freien Tage dann im Stau auf der Autobahn oder in überfüllten Zügen. Immerhin scheint da dann die Sonne noch zum Fenster rein und es ist sogar windgeschützt. Alternativ steht man mit dem Fahrrad im Smog oder sucht vergebens nach einer Abstellmöglichkeit für den Drahtesel, der in diesen Tagen nicht selten zum Packesel mutiert, weil man ja für alle Gelegenheiten gewappnet sein muss.

Fazit: Frühling ist nur dann schön, wenn man sich darauf vorbereiten kann. Also warte ich die erste Sonnenwelle ab und gehe erst später raus. Dann bin ich gut vorbereitet, habe kein schlechtes Gewissen mehr (schließlich ist ja schon seit Wochen schönes Wetter) und die erste Betriebsamkeit hat sich auch etwas gelegt. Falls nicht, gehe ich einfach bei Regen raus. Da kann ich mich anziehen, wie ich will, und ich habe definitiv meine Ruhe.



Nur Fliegen ist schöner..

STORIESPosted by Ulrike 24 Jan, 2011 07:37

24.01.2011

Bin mal wieder unterwegs - auf dem Flughafen. Ich mag Flughäfen. Ich komme mir dort immer irgendwie kosmopolitisch vor. Insbesondere dann, wenn ich für einen Kaffee und ein Mineralwasser schlappe 9 Euro zahlen darf…

Flughäfen sind aufregend und abenteuerlich. Hier beginnen und enden Reisen, entscheiden sich Menschenschicksale. Über Abschied und Wiedersehen, meine ich. Alles andere möchte ich jetzt lieber nicht in Betracht ziehen. Schlimm genug, dass ich neulich auf einem Langstreckenflug neben so ´nem Angstkandidaten sitzen musste. Vermutlich ein Sex Tourist, man hat ja so seine Bilder im Kopf. Zufällig ging der Flieger auch nach Bangkok.. Auf jeden Fall war dieser Tourist kein Anfänger, denn er war bereits zweckmäßig mit Adiletten und Jogginghose bekleidet. Letztere saß dann auch so bequem, dass sie ihm bei jedem Aufstehen ein paar Zentimeter tiefer rutschte und recht bald unter seiner Kimme saß. Und er stand sehr oft auf. Eigentlich erinnerte es schon fast an Stuhltanz, nur dass er immer wieder auf den gleichen Platz zurück fand. Und der befand sich leider neben mir! Zu seinem ersten Toilettengang nahm er eine Duty Free Tüte und eine leere Wasserflasche mit um dann, oh Wunder, nur mit der Wasserflasche zurückzukehren. Diese war dann allerdings voll - genauso voll wie er nach dem dritten Toilettengang, was wiederum dazu führte, dass er seinen Körper selbst im Sitzen nicht mehr unter Kontrolle hatte und entspannt immer weiter auf meinen Sitz und bald auf mich drauf rutschte. Da er, sobald er saß, auch sofort einschlief (eine Tatsache, die ich nicht ohne Neid zur Kenntnis nahm, denn an Schlaf war bei mir in keinster Weise mehr zu denken), rann ihm dabei noch ein Rinnsal feinsten Speichels aus dem Mundwinkel. Ich konnte gar nicht wegschauen und hatte die Kleenex Tücher schon in der Hand, als er erneut zur Toilette aufbrach (..ich versuche, das letzte Wort nicht mit Bildern zu assoziieren..) Mittlerweile war er so betrunken, dass er in die kleine asiatische Stewardess mit dem randvollen Getränketablett hinein torkelte. Diese erhörte daraufhin endlich meine Bitten und ich wurde wegen Unzumutbarkeit umgesetzt. Immerhin bekam ich einen Sitz am Notausgang mit viel Beinfreiheit, der normalerweise der Besatzung vorbehalten ist. Sollten die sich ruhig auch mal neben so nen Jogginghosen-Touristen setzen! Studie am lebenden Objekt nennt man das wohl.

Ich frage mich nur, wie solche Leute sich auf Großflughäfen zurechtfinden, was für Normalsterbliche ja schon eine Herausforderung darstellt und auch oft eine Frage des Ermessens ist. Wenn an einer Drehtür beispielsweise steht: ‚Bitte nicht drücken‘, und direkt darunter:‘ Im Notfall drücken‘, dann frage ich mich, wie definiert sich Notfall? Haben Sie sich darüber mal Gedanken gemacht? Für mich wäre in dem Moment der Flieger, der gegebenenfalls sonst ohne mich starten würde, ganz klar ein Notfall. Oder Hunger. Oder ein dicker Mensch, der mit seiner Leibesfülle oder seinen Koffern die Tür blockiert. Eigentlich gibt es auf Flughäfen ausschließlich Notsituationen, da erübrigt sich der erste Satz eigentlich. Und außerdem, wer hat schon die Zeit, sich die Aufschriften auf einer Drehtür durchzulesen, während er zum nächsten Gate hastet?!

Was ich auch nie kapiert habe, warum manche Menschen ausgerechnet kurz vor der Sicherheitsabsperrung nochmal so richtig Durst bekommen. Da werden Unmengen an Flüssigkeiten in Wohlstandskörper gekippt, als ginge der nächste Flieger in die Kalahari und an Bord wäre der Tomatensaft ausgegangen. Und wenn der Liter Flüssigkeit, der vor der Absperrung immerhin geschätzte 50 Cent billiger war, dann doch nicht mehr ganz ausgetrunken wird, stellt man die angefangene Flasche auch gerne mal AUF die bereitstehende Entsorgungstonne. Welcher soziale Hintergrund verbirgt sich dahinter? Ich meine, diese Tonne steht dort einzig und allein zu dem Zweck, dass man seine Flaschen IN dieser entsorgt. Ich kenne niemanden, der kurz vor dem X-Ray nochmal schnell zu so ner angefangenen, warmen Cola gegriffen hätte, dankbar, dass sein Vorgänger ihm einen Schluck übrig gelassen hat.

Ganz suspekt sind mir außerdem Chartermaschinen. Das sind die Flieger, wo bei der Landung alle Gäste ohne vorherige Absprache in frenetische Applaus ausbrechen, egal wie sanft oder unsanft der Pilot das Flugzeug zu Boden gebracht hat. Hat wohl etwas mit Erleichterung zu tun. Vielleicht muss man bei der Buchung solcher Pauschalreisen vorher ankreuzen, ob man unter Flugangst leidet. Und dann werden alle Passagiere mit Flugangst in einen einzigen Flieger gestopft. Das ist Psychologie - wenn dein Nachbar noch mehr zittert als du, fühlst du dich gleich besser. Und am Ende gibt’s den gemeinsamen großen Erleichterungsapplaus. Und weil der ganz sicher immer kommt, werden solche Maschinen aus Motivationsgründen meistens von Auszubildenden geflogen. Anders kann ich mir das nicht erklären. Ich habe auch noch nie erlebt, dass im Bus geklatscht wurde, weil der Fahrer so schön an die Haltestelle rangefahren ist. Oder in der U-Bahn, weil sie auch im Dunkeln die Station gefunden hat.

Ein weiteres Highlight auf Flughäfen sind die Durchsagen. Da beginnt oft das heitere Sprachenraten, und wenn man dann endlich erahnt hat, welche Sprache gemeint gewesen sein könnte, hat man meistens schon wieder vergessen, WAS eigentlich durchgesagt wurde. Also lieber rechtzeitig zum Gate und wenn’s dann zu lange dauert, kann man immer noch für 9 Euro Getränke kaufen. Es sei denn, man hat Glück und vor dem X-Ray stand noch ne angefangene Cola.

Muss los, ich glaube, sie haben mich aufgerufen..

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