NEWS & STORIES

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Neuigkeiten und Geschichten aus Ulrikes Welt finden Sie hier.

Warten auf..

NEWSPosted by Ulrike 19 Sep, 2012 15:46

19.09.2012

„Die Welt gehört den Geduldigen“ – welcher berühmte Mensch hat das gesagt? Auf jeden Fall hat dieser Mensch noch nie auf nen Bus in Grönland gewartet..

Oder es war diese Frau, die schon seit 35 Jahren darauf wartet, dass Frank Sinatra zurückkommt, der nach dem Konzert nur mal schnell Backstage gehen wollte...

In der S-Bahn

STORIESPosted by Ulrike 10 Aug, 2012 18:52
10.08.2012

Ich freute mich auf eine halbe Stunde lesen und abschalten. Die S-Bahnstrecke vom Bahnhof Südkreuz zum Bahnhof Schönhauser Allee bot sich dafür an. Fahrradfahren war bei diesem Wetter und dem ganzen Gepäck keine Alternative, Autofahren um diese Tageszeit auch nicht. Diese Variante fiel auch schon deshalb aus, weil ich gar kein Auto hatte...

S-Bahn fahren dagegen ist günstig und umweltfreundlich. Außerdem muss man sich in der S-Bahn nicht so konzentrieren und fährt entspannt von A nach B. Dachte ich.

Schon auf dem Bahnsteig (und wer Südkreuz kennt, weiß, von welchen Dimensionen wir reden) schallte mir eine aufgebrachte Mädchenstimme entgegen: „... aber isch bin doch deine kleine Schwester! Ich will, dass du auch mal an deine kleine Schwester denkst...“ So und so ähnlich brüllte sie immer weiter in ihr stylisches Handy. Die „kleine“ Schwester war ungefähr 25 Jahre alt, ca. 1,68 groß und wog mindestens zwei Zentner..

Als der Zug endlich einfuhr, wählte ich bewusst eine Tür weit entfernt von der telefonierenden Schwester. Wie ich später merken sollte, nutzte mir das nicht nur nichts, sondern ich wurde beim Einsteigen auch noch fast von einer aufgebrachten und wild gestikulierenden Frau umgerannt, die schreiend offensichtlich auf der Flucht vor ihrem hinter ihr her rennenden Mann war. Oha, da hatte ich offensichtlich etwas verpasst. Der Mann knöpfte sich im Laufen noch das Hemd zu – da schien ja ziemlich was abgegangen zu sein! Wie es weiter ging, bekam ich leider nicht mehr mit, wohl aber, dass sich die Bahnhofsaufsicht in das Gezanke einmischte, um evtl. (weitere) Handgreiflichkeiten zu verhindern.

Fast hätte ich vor Verblüffung den Zug verpasst, sprang aber in letzter Sekunde noch hinein und bekam sogar einen Sitzplatz! Warum allerdings ausgerechnet dieser eine Platz noch frei war, sollte ich bald merken. Auf dem Nachbarsitz saß oder besser gesagt hing ein Typ, der nicht nur sehr streng roch, sondern schlafenderweise auch immer weiter in meine Richtung rutschte.

Noch darauf konzentriert, ihn möglichst nicht zu berühren und im schlimmsten Fall seinen Geruch anzunehmen, hörte ich sie auf einmal wieder durch das Abteil brüllen: „..aber isch bin deine Schwester. Nicht irgendein Andy. Wer ist eigentlich Andy? Andy ist ein Niemand, ein Nichts! Isch bin deine kleine Schwester..“. Dass sie damit mittlerweile das ganze Abteil unterhielt, schien sie nicht zu stören. Ein Mann im mittleren Alter mischte sich in ihr Telefonat ein, indem er ihr sagte, dass er sie liebe. Sie reagierte darauf gleichermaßen schlagfertig wie charmant mit einem liebenswürdigen „Halt die Schnauze!“.

Das hinderte den Mann jedoch nicht daran, ihr beim Aussteigen noch Kusshändchen nachzuwerfen, wobei er leider einen Studenten übersah, der mit seiner Schnellimbiss-Asia-Box gerade in den Zug stieg. Der kam daraufhin ins Taumeln und fiel fast über mich, die ja mittlerweile nur noch auf einer kleinen Ecke der Sitzbank saß. Glücklicherweise kippte sein Essen nicht auf, sondern neben mich auf den Sitz. Anhand der Reste auf meinem Schuh konnte ich später noch gebratene Nudeln identifizieren. Der Student schimpfte dem Mann hinterher, und ich hatte endlich einen triftigen Grund, meinen Sitz zu verlassen, ohne den müffelnden Nachbarn zu kompromittieren, der allerdings sowieso schlief und von allem nichts mitbekam. Der Glückliche!

Kurz darauf stieg ein Obdachloser ein, der den „Straßenfeger“ verkaufte. Da es im Abteil mittlerweile sehr still geworden war, weil alle Leute unfreiwillig dem lauten Gemotze der Schwester zuhörten, war sein Text eine willkommene Abwechslung zu ihrem Gekeife, und er wurde tatsächlich die ein oder andere Zeitung los. Das muss der Umsatz seines Lebens gewesen sein! Ich kaufte ihm aus Dankbarkeit sogar gleich 2 Zeitungen ab und schenkte eine davon dem armen Studenten, der zwar nun nichts mehr zu essen, dafür aber jetzt wenigstens was zu lesen hatte. Vielleicht lenkte ihn das ja ein wenig von seinem Hunger ab.

Die Schwester dagegen war nicht mehr zu bremsen: „..und isch frage dich, nein isch frage mich, also isch frage dich..“ Da sie offensichtlich selbst nicht mehr wusste, wen sie was fragen wollte, beendete sie das Telefonat mit ihrem Bruder und wählte eine neue Nummer, um der Person am anderen Ende der Leitung in aller Ausführlichkeit zu erzählen, wie schlecht sie sich von ihrem Bruder behandelt fühlte. Da ich die Geschichte ja nun schon in allen Einzelheiten kannte, setzte ich mich auf einen mittlerweile frei gewordenen Platz und wollte gerade endlich mein Buch rausholen, als ich die Durchsage hörte „Sehr geehrte Fahrgäste. Aufgrund von Gleisbauarbeiten ist die Zugverbindung zwischen Landsberger Allee und Schönhauser Allee unterbrochen. Wir haben für Sie einen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Wir bitten um ihr Verständnis!“

Die Hoffnung, in einem Bus, in den die Fahrgäste eines ganzen S-Bahn Zuges gequetscht werden, einen Sitzplatz zu kriegen geschweige denn entspannt mein Buch lesen zu können, erstarb im selben Moment.

S-Bahn fahren hat sicherlich Unterhaltungswert. Dass man sich dabei jedoch entspannen kann, halte ich für ein Gerücht.

Dieser Hinweis wäre meiner Meinung nach aus verschiedenen Gründen auch in der Berliner S-Bahn angemessen...

Globale Vernetzung

NEWSPosted by Ulrike 24 Jul, 2012 14:54
24.07.2012

Ich bin nicht bei facebook. Noch nicht, denn lange kann es nicht mehr dauern, dass ich mich auch in diese Plattform der globalen Vernetzung einreihe. Immerhin habe ich seit ein paar Tagen ein XING-Profil. "Ulrike hat erst 4 Kontakte - helfen sie ihr, mehr Freunde zu finden" hieß es dann bei meiner Freundin, als sie mich als Kontakt bestätigte.. Muss ich mir Sorgen machen? Bisher hielt ich mein Sozialleben eigentlich für ausgeglichen...

Dennoch stimmt es, dass globale Netzwerke praktisch und bis zu einem gewissen Grad zeitsparend sind. Man muss sich dafür ja jetzt nicht mehr persönlich treffen..

Aber auch Firmen nutzen immer mehr die riesige Plattform auf facebook, um sich zu präsentieren. Ich kann mein Einkaufszentrum bei facebook besuchen oder einer von 100000 Fans irgendeines Großunternehmens werden. Wer's mag..

Als ich jedoch auf der Verpackung der laktosefreien Milch las, sie wäre jetzt auch bei facebook, da habe ich für einen kurzen Moment die Welt nicht mehr verstanden...

Fussballfieber

STORIESPosted by Ulrike 25 Jun, 2012 23:03

26.06.2012

Ich muss es an dieser Stelle einfach mal sagen: ich bin kein Fussballfan. Jetzt wird der ein oder andere denken: Na und - ich auch nicht, aber so ne EM ist schon was besonderes..

Eben - gerade das ist mir suspekt: Menschen wickeln ihre Autos schwarz-rot-gold ein und schmieren sich selbst Farben ins Gesicht, Straßen und Plätze, ja ganze Städte sind am Abend wie ausgestorben, dafür hört man scheinbar aus dem Nichts plötzlich Böller, Jubelrufe oder sonstiges Geschrei - je nachdem, wo gerade ein Tor gefallen oder nicht gefallen ist. Man braucht nicht mal dabei zu sein, um dennoch alles mitzubekommen, denn auch alle Medien sind voll davon. Nicht nur von den Spielen – auch von allen Details, die man wissen muss, um den Spielen angemessen folgen zu können. Also wer mit wem gerade zusammen ist und was die Freundin von Spieler XY am liebsten für einen Bikini trägt.

Dabei geht es doch, wenn ich es richtig verstanden habe, nur um eine Sportart! Ich habe noch nie erlebt, dass ähnliche Zustände beim Reitsport oder beim Turmspringen herrschten. Ja nicht mal bei Olympia gibt es solche Ausbrüche. Nun, wir werden ja sehen.. Aber ich fürchte, nach der Fussball EM sind alle so ausgepowert, dass da nicht mehr viel Euphorie für Olympia übrig bleibt.

Man muss ja bedenken, dass bei jedem Spiel auch der Getränkekonsum angepasst werden muss, so dass so ne Europameisterschaft auf Dauer schon mal anstrengend werden kann.. Vor allem, wenn man zu jedem Land das passende Nationalgetränk konsumiert. Freunde hat man in der Zeit auch keine mehr, es sei denn, man schaut gemeinsam Fussball. Aber wehe, du gibst einen unqualifizierten Kommentar ab! Das gilt als persönliche Beleidigung. Dann wird man mit Nichtachtung gestraft und nie wieder eingeladen.

König Fussball – es ist und bleibt ein Mythos. Wenn WIR gewinnen, ist die ganze Nation stolz, als hätte Otto N. persönlich die Tore geschossen und es wird noch Jahre später darauf angestoßen. Aber wehe, DIE fliegen raus. Dann werden stille Tränen geweint und nie wieder darüber geredet. So ist das dann mit dem Nationalstolz. Auch die Fahne wird vom Auto schnell wieder abmontiert.

So ne Umlackierung gestaltet sich allerdings schon deutlich schwieriger..

Solange alles friedlich abläuft, soll es mir Recht sein. Ich freue mich über leere U-Bahnen während der Spiele, Karten für Veranstaltungen, an die man sonst nur schwer rankommt und Sonderkonditionen im Yoga-Studio. So bringt mir die EM letztendlich doch noch was. Und etwas Praktisches hat es außerdem: unliebsame Treffen lassen sich problemlos vermeiden, indem man sie einfach parallel zu einem Deutschlandspiel legt. Dann kann man immer noch mit sich selbst anstoßen – egal, wie das Spiel ausgeht.

Na dann – toi, toi, toi! Auf dass wir bald nicht nur Papst und Lena, sondern auch noch Fussball-Europameister sind!

Errungenschaften der Neuzeit

STORIESPosted by Ulrike 07 Apr, 2012 17:09

06. 04. 2012

Neulich kam die dreijährige Tochter meiner Freundin mit einem I-Pad in der Hand auf mich zu, „touchte“ sich völlig selbstsicher durch sämtliche Menüs und führte mir die verschiedenen Kapitel ihres Lieblingsfilms „Heidi“ vor. Selbstverständlich konnte sie mir auch alle anderen Filme und Fotos zeigen, die ihre Mutter auf dem Gerät gespeichert hatte – und das mit gerade mal drei Jahren! Ich war kurz davor, sie zu bitten, mir doch schnell noch mein Bahnticket im Internet zu buchen, wo sie das Gerät schon mal in den Händen hielt..

Andererseits habe ich vor ein paar Tagen versucht, meinem Vater sein neues Handy zu erklären. Ich betone – ich habe es versucht. Ich zeigte ihm die verschiedenen Möglichkeiten, die dieses Telefon zu bieten hatte. Nachdem ich jedoch bei der zweiten Funktion angekommen war, die nichts direkt mit telefonieren zu tun hatte, lehnte er dankend ab und meinte, sein altes Handy sei doch eigentlich noch gar nicht so schlecht...

Was sagt uns das? Denken wir zu kompliziert, um die eigentlich kinderleichte Technik auch in Zukunft noch zu verstehen? Oder kommen wir irgendwann tatsächlich nicht mehr mit? Wo ist die Grenze zwischen technischen Innovationen, die uns das Leben erleichtern, und überflüssigen Spielereien, die vom eigentlichen Leben ablenken?

Mir drängt sich jetzt schon die Frage auf, wie wir früher ohne diese ganzen technischen Möglichkeiten eigentlich überleben konnten. Dabei ist das noch gar nicht so lange her. Ich kann mich noch gut erinnern, dass meine Eltern zu meiner Schulzeit überhaupt kein Telefon zu Hause hatten. Und ich habe es trotzdem geschafft, mich mit meinen Freunden zu verabreden. Man sollte es nicht glauben – wir haben uns sogar immer getroffen, obwohl wir vorher nicht schnell noch mit dem I-Phone den Treffpunkt googeln konnten. Ja, diese Treffen waren zuverlässig, denn absagen war schwierig ohne Telefon und die ach so praktische sms Funktion. Man musste sich festlegen – können wir das heute überhaupt noch?

Bei der Gelegenheit fällt mir eine weitere Errungenschaft der Neuzeit ein, die sich immer mehr durchzusetzen scheint. Eine Freundin, die viel reist, schwört auf das e-book: mehr als 500 Bücher könne sie darauf speichern, und für die Nacht hätte dieses Buch sogar eine Leselampe! Ja, bei 500 Büchern bräuchte ich vermutlich auch eine Lampe, denn die Tageszeit alleine reicht ja dafür nicht mehr aus.. Ich bin schon froh, wenn ich es schaffe, das eine Buch, was ich immer in der Tasche habe, von Anfang bis Ende zu lesen. Werden wir unseren Enkeln irgendwann erklären müssen, was ein richtiges Buch ist und dass es mal Bibliotheken gab – also ganze Räume, die so viele Bücher fassten, wie man dann auf einem gerade mal 100 Gramm schweren Minigerät speichern kann? Das klingt für mich jetzt schon absurd.

Längst vergessen scheinen auch die Zeiten, als man noch stundenlang in CD-Läden stand, auf der Suche nach seiner Lieblingsmusik. Gibt es überhaupt noch CD-Läden? Und wenn ja – wer kauft heute noch CD’s aus einem anderen Grund als Nostalgie? Zu meiner Zeit gab es sogar noch Schallplatten und Kassetten. Der erste Kassettenrekorder der DDR, der SKR 700, war eine Sensation! Ganze Nachmittage lang haben wir vor dem Radio gesessen und darauf gewartet, dass unser Lieblingssong gespielt wurde, damit wir ihn endlich aufnehmen und dann immer wieder hören konnten. Und wehe, jemand kam genau in diesem Augenblick zur Tür herein und zerstörte die Aufnahme... Fast genauso schlimm war Bandsalat. Trotzdem haben wir konsequent unseren Lieblingssong immer so lange rauf und runter gehört, bis die Kassette irgendwann leierte..

Das ist heute anders. Heute kann man mitten in der Nacht aus dem Bett heraus im Internet Musik runterladen, die dann auch noch wie von Zauberhand auf alle mobilen Geräte übertragen wird. Natürlich in bester Qualität! Dazu muss man noch nicht einmal aufstehen, geschweige denn in einen Laden gehen. Es reicht ein einfacher Klick - von der Idee bis zur Umsetzung in weniger als einer Minute! Zack! Mittlerweile können wir mehrere hundert Musiktitel, ja ganze Big Bands in der Hosentasche mit uns herumtragen! Aber wissen wir auch noch, wie es sich anfühlt, wenn man endlich, nach langem, sehnsüchtigen Suchen den einen Titel gefunden hat, mit dem man ein ganz bestimmtes Gefühl verbindet?

Die Frage, die mich letztendlich am meisten beschäftigt, ist jedoch - was machen wir mit der ganzen Zeit, die wir durch den technischen Fortschritt gewonnen haben? Jetzt, wo alles immer einfacher wird, müssten wir doch unendlich viel Zeit haben - warum hetzen wir trotzdem immer mehr durch’s Leben?

Ich glaube, es könnte vielleicht daran liegen, dass wir uns jetzt täglich auch noch um unsere 2568 Freunde bei Facebook kümmern müssen...

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